Zwischen Neunkirch und Löhningen, in den „Stockegerten“, wie der alte Flurname heisst, steht, mitten im Klettgau und etwas erhöht, ein kleines Stück Wald. An dessen Nordrand, von Natur aus ziemlich eben und hindernisfrei gestaltet, liegt der „Schmerlat“, der einzige Flugplatz im Kanton Schaffhausen.
1932 e greutm hangseg

Nach fünf Jahren des Suchens nach einem für den Segelflugsport geeigneten Gelände und unbefriedigenden Versuchen auf dem Griesbach in Schaffhausen, dem Kapf oberhalb Thayngen und auf dem Hallauerberg, entdeckten die Mitglieder der im Jahr 1933 gegründeten Segelfluggruppe Schaffhausen (SGS) auf dem „Schmerlat“ ihre neue und bleibende Heimat.

1934 griebach zoegl schulung

Am 20. Juni 1937 wurde der erste Windenstart geprobt und im September des gleichen Jahres veranstaltete die SGS auf dem neu erschlossenen Fluggelände einen Werbeflugtag, dem seitens der Bevölkerung grosse Beachtung geschenkt wurde. Die Bedingungen auf dem Schmerlat waren derart überzeugend, dass bereits im Jahr 1938 in Fronarbeit ein Flugzeug-Hangar mit Aufenthaltsraum gebaut wurde. Ein mutiger Entschluss, wenn man bedenkt, dass die SGS zu jenem Zeitpunkt noch keinen Quadratmeter Land ihr Eigen nennen konnte.
1934 zoegling rohbau

Die Segelfluggruppe Schaffhausen, und mit ihr der Flugplatz, gediehen in der Folge prächtig. Dank Optimismus, Weitsicht und zähem Einsatz ihrer Mitglieder, war es im Laufe der vergangenen 60 Jahre möglich, Stück um Stück Land zu erwerben und damit die Zukunft der SGS und diejenige des nördlichsten Flugplatzes der Schweiz abzusichern. Der Schmerlat gilt heute als eines der idealst gelegenen Segelfluggelände in der Schweiz.
1935 sg hallau

Die SGS, als Eigentümerin und Halterin dieses Flugplatzes, darf mit Recht stolz sein auf ihre Entwicklung. Am 1. Mai 1933 von einer Handvoll junger, flugbegeisterter Idealisten gegründet, gerade genügend, um alle Vorstandsämter zu besetzen und bereit, ihre ganze Freizeit in den Bau eines Schulflugzeuges zu investieren, entstand über die Jahre und Jahrzehnte ein Verein von 130 Aktivmitgliedern. In der Region verwurzelt und ideell mitgetragen von über 600 Passivmitgliedern, verfügt die Gruppe heute über zwei grosse Hangars zur Einstellung ihrer Flugzeuge, einen geräumigen Aufenthaltsraum sowie einen Kiosk mit Gartenwirtschaft, der sich als beliebtes Ausflugsziel bei der Bevölkerung etabliert hat.

1946 kranich vor hangar

Das Flugmaterial hat seit der Gründerzeit die wohl grösste Veränderung erfahren. Blättert man in alten Fotoalben, so findet man darin unförmige, drahtverspannte, offene Holzgerüste mit aufgesetzten Flügeln und kann kaum glauben, dass solche Konstruktionen überhaupt geflogen sind. Sie sind geflogen, wenn auch jeweils nur für kurze Zeit, doch immerhin hoben sie ab. Die Distanzen wurden noch in Metern gemessen, die Flugzeiten in Sekunden. Entsprechend waren auch die Leistungsdaten der Flugzeuge, so entsprach der Gleitwinkel eines „Zöglings“, des zu jener Zeit meistverwendeten Schulflugzeuges, einem Verhältnis von 1:9, d.h. mit einem Meter Höhe konnte man etwa neun Meter weit gleiten.

1949 kranich ueber sh

Heute besitzt die SGS einen modernen Flugzeugpark, bestehend aus 7 Einsitzern, 3 Doppelsitzern, 2 vierplätzigen Schleppflugzeugen und dem zweisitzigen PIPER HB-OIO, ein Motorflugzeug-Oldtimer mit Baujahr 1944, der seit 1946 auf dem Schmerlat geflogen wird und zehntausende von Segelflugzeug-Schlepps und hunderte von Passagierflügen absolviert hat. Etwa 20 weitere Segelflugzeuge befinden sich in privatem Besitz von SGS-Mitgliedern.


An den heute verwendeten Hochleistungs-Segelflugzeugen sucht man vergeblich nach Spanndrähten und unförmigen Holzgerüsten. Die schlanken, weissen Vögel sind Inbegriff aerodynamisch hochentwickelter Spitzentechnologie. Aus Kunststoff in Glas- oder Kohlefaserverbundbauweise hergestellt, weist der modernste Doppelsitzer der SGS eine Spannweite von 25,5 m und einen Gleitwinkel von nahezu 1:60 auf. Zahlen, von denen man vor wenigen Jahren noch nicht zu träumen wagte.

Entsprechend haben sich die Flugleistungen der SGS-Mitglieder entwickelt. Absolvierte man früher in der Regel seine Flüge über dem Randen und war stolz darauf, zum Abschluss den Flugplatz wieder „getroffen“ zu haben, so tummeln sich die heutigen, fortgeschrittenen Piloten vorwiegend über dem Schwarzwald und über der Schwäbischen Alb. Strecken-Segelflüge von 300 bis 500 km sind keine Seltenheit mehr, und die grösste, motorlos geflogene Strecke ab Flugplatz Schmerlat liegt bei 736 km. Dank der hervorragenden Leistungsdaten der Segelflugzeuge und der dadurch möglichen Distanzen, werden heute die Strecken vorwiegend als Dreieck- oder Umkehrflüge geflogen, d.h. man versucht, am Abend wieder zurück auf dem Schmerlat zu sein. Der Beweis, dass die Strecke auch tatsächlich erfüllt wurde, wird mittels Fotodokumentation oder neuerdings mittels GPS-Logger, einem Gerät, das über Satelliten-Navigation funktioniert und den ganzen Flug aufzeichnet, erbracht. Die entferntesten Landeorte vom Schaffhauser Flugplatz aus liegen im Norden auf der Wasserkuppe in der Rhön (östlich Fulda) und im Süden in Puimoisson in der Haute-Provence. Flüge und Erlebnisse, die den Piloten unvergesslich bleiben.

1963 winterschlepp

Zur Bildung ihres Nachwuchses betreibt die Segelfluggruppe Schaffhausen eine eigene Segelflugschule. Überwacht durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt und geführt durch einen Cheffluglehrer, stehen der Schule ca. 12 ausgebildete, erfahrene Segelfluglehrer zur Verfügung, die, im Wochenendbetrieb, den Flugschülern aus unserer Region eine gut fundierte Ausbildung zum Segelflieger ermöglichen. Mitte August beginnt jeweils ein neuer Lehrgang. Interessenten sind jederzeit willkommen.

Richard Schneider