1. Januar 2018
Lange sah es nicht so aus als würde man am Neujahrstag fliegen können. Die Wetterprognose verbesserte sich aber zusehends und so beschlossen Foody und ich, es doch zu versuchen. Wind sollte genug vorhanden sein, einzig der nasse Boden machte uns etwas sorgen. Pünktlich um 9 Uhr morgens begannen wir, die beiden Anhänger aus dem Hangar zu ziehen und die Flugzeuge zu montieren. Eile war angesagt. Fabio, unser Schlepppilot, musste gegen Mittag wieder zu Hause und wir somit bis spätestens 11 Uhr in der Luft sein.
Als wir die Flugzeuge knapp eine Stunde später am Start hatten, machte sich Ernüchterung breit. Die tiefe Bewölkung um den Randen wollte sich einfach nicht auflösen und die Webcam am Hagenturm zeigte Nebel. Shit, war alles umsonst? Um halb 11 sah es dann etwas besser aus und ich beschloss, es zu versuchen. Wir vermuteten, das die westliche, nicht einsehbare Hangkante frei von Wolken sein müsste und so war es dann auch.
Ich liess mich direkt zum Hagen schleppen. Sollte es dort nicht gehen könnte ich auf dem Rückweg immernoch die anderen Hänge versuchen, was aber nicht nötig war. Nach dem klinken fand ich schnell steigen im Bereich Hagentum von 0,5 - 1m/s. Die Dame von Zürich Info war äusserst freundlich und aktivierte die Segelflugräume. Ich rechnete damit, vielleicht auf eine Höhe von 1500m zu kommen was sich als grossen Irrtum herausstellte. Vor der Hangkante bildeten sich immer wieder grössere Wolkenbänder die dann mit dem Wind nach osten abgetrieben wurden. Hatte man das Glück zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein konnte man direkt vor der Wolke weiter aufstigen.

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Das steigen war dabei laminar und völlig frei von Turbuenzen. War das eine Welle? Über dem Randen? Ich konnte bis auf 1900m steigen und hatte eine herrliche Aussicht über die Wolkendecke. Zu spät bemerkte ich, das sich neben mir bereits die nächste Wolke bildete und mir den Weg gegen den Wind versperrte. Ich musste etwas nach Norden ausweichen und verlor an Höhe. Zurück am Hagen war war die Wolkendecke gegen oben geschlossen und es war kaum noch steigen zu finden. Der Wind schien nachgelassen und die Richtung etwas gegen Süden gedreht zu haben so das die Hangkante nicht mehr optimal angeströmt wird. Foody ging es gleich und wir flogen zum Siblinger Randen um da unser Glück zu versuchen was aber auch keinen Erfolg brachte. Foody flog noch einmal zum Hagen und ich folgte ihm. Bingo! Noch einmal schaffte ich den Einstieg vor den Wolken und dieses mal konnte ich bis auf 2000m steigen, musste dann aber leider wegen der Höhenrestriktion die Aufwindzone verlassen und fand mich kurze Zeit später ein Stockwerk tiefer wieder. Vermutlich hätte ich noch 100m - 200m höher steigen können. 

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Ein drittes mal gelang es leider nicht mehr, da der Wind zusehends Richtung Süd drehte und schwächer wurde. Die Wolken lösten sich alle auf und gaben die Sicht aufs Mittelland und die Alpen frei. Noch nie habe ich so klare Luft erlebt. Man sah den kompletten Bodensee bis nach Bregenz und weit darüber hinaus in die österreichischen Alpen. Traumhaft auch der Blick Richtung Eiger, Mönch und Jungfrau.  

Video

 

Ich hätte noch ewig weiter fliegen können wenn mir nicht beinahe die Füsse abgefrohren währen. 

Fazit:
+ perfekter Start ins neue Jahr
+ Man sollte immer versuchen zu fliegen. Meistens klappts und man erlebt ab und zu aussergewöhnliches.
+ aktivieren der Segelflugräume via Funk funktioniert sehr gut
- kalte Füsse sind doof.

 

Windkarte 10m    Windkarte 925 hPa      Windkarte 850 hPa    Grosswetterlage    Der Flug im OLC

R. De Martin